ARCHIV: 6.JG, AUSG. 1/00, FEBRUAR 2000

 

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Schwerpunkt:
Pränatale Diagnostik

 

Zwischen Kopf und Bauch

Vorgeburtliche Diagnostik: Fluch oder Segen?

Andrea Rösner, Hebammenschülerin aus Deutschland, hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Der Artikel ist im Heft 6/99 der Deutschen Hebammenzeitung S.295 bis 300 erschienen. Wir haben ihn etwas gekürzt und danken dem Staude-Verlag und der Autorin für die Abdruckgenehmigung!

Einleitung

Während ihrer Schwangerschaft stehen Frauen vor vielen Entscheidungen und sind manches Mal einem gefühlsmäßigen Chaos ausgesetzt. Wenn sie von einem Tag auf den anderen vor existentiellen Entscheidungen stehen, die mit der pränatalen Diagnostik verbunden sind, sind sie oft überfordert und alleingelassen. In ihrer Hebamme sollten sie dann eine kompetente Ansprechpartnerin haben, die ihre Sorgen und Ängsten anhört, sie objektiv beraten kann, aber ihre dann getroffenen Entscheidungen auch voll akzeptiert. Denn diese Familie muss mit den Folgen der Entscheidung leben, so oder so.

Geschichte der Humangenetik

Großangelegte Studien, finanziert mit öffentlichen Mitteln, etablierten in den 70er Jahren die genetisch orientierte pränatale Diagnostik. Die Möglichkeit vorgeburtlicher Diagnostik bescherte den Humangenetikern ein glorreiches Comeback. Diese wissenschaftliche Disziplin, vormals Rassenhygiene genannt und nach dem Krieg wegen ihrer Verbrechen im 3. Reich in das gesellschaftliche Abseits gedrängt, wurde plötzlich wieder salonfähig, diesmal als medizinische Disziplin mit dem verlockenden Angebot, präventiv und individuell Leiden verhindern zu helfen. Die Öffentlichkeit war wohl so beeindruckt von den sich eröffnenden Möglichkeiten moderner Genetik, dass sie das eugenische Rezept "Verhinderung kranker Kinder" überhörte. Erst Anfang der 80er Jahre fingen KritikerInnen vor allem aus der Behindertenbewegung an, die Humangenetik und ihre Konsequenzen in Frage zu stellen.

Methoden vorgeburtlicher Diagnostik

Ultraschall

Die Schwangere und ihr Partner sehen im Ultraschall meist nur eine Möglichkeit, ihr ungeborenes Kind zu sehen, und keine vorgeburtliche Diagnostik. "Baby-Fernsehen" wird in vielen gynäkologischen Arztpraxen mit Videoaufnahmen als Service angeboten, gerade für den Vater eine faszinierende Möglichkeit, an der Schwangerschaft intensiver teilhaben zu können. Doch auch diese Untersuchungsmethode sollte nicht nur zum Vergnügen durchgeführt werden.

Meist wird ein Ultraschall gemacht, um die Schwangerschaft überhaupt erst festzustellen, bzw. zu sehen, ob die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter regelrecht vonstatten gegangen ist und nicht z.B. eine EU oder Mehrlings-Schwangerschaft vorliegt. Auch die Berechnung des Schwangerschaftsalters evtl. die Korrektur des Entbindungstermins können durchaus sinnvoll sein, damit am Ende der Schwangerschaft nicht unnötig eingeleitet werden muss.

Vorsichtiger als hier gehen die Gesundheitsbehörden einiger anderer Länder, z.B. der USA, Englands, Norwegens, Schwedens und Dänemarks mit Ultraschalluntersuchungen um, da die Unschädlichkeit der Ultraschallwellen für Mutter und Kind noch nicht eindeutig bewiesen ist. Der frühere europäische Repräsentant der WHO for Mother and Childcare, M. Wagner, warnte die Teilnehmer auf einem Gynäkologenkongress: "Ärzte, die den Ultraschall in der Schwangerschaft sowohl teratogen als auch genetisch als absolut unbedenklich einstufen, sollten öfter daran denken, dass es auch bei den Röntgenstrahlen 50 Jahre gedauert hat, bis Schäden nachgewiesen werden konnten." Die Ultraschallgeräte sind erst seit den 60er Jahren auf dem Markt!

Blutuntersuchungen

Alpha-Fetoprotein-Diagnostik

Die AFP-Bestimmung hat in den letzten 10 Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Alpha-Fetoprotein ist ein Eiweiß, das der Fötus mit dem Urin ins Fruchtwasser ausscheidet, zusammen mit dem Fruchtwasser wieder schluckt und im Magen-Darm-Trakt wieder abbaut. Noch weitgehend ungeklärt ist, wie dieses Eiweiß durch die Plazenta in das Blut der Mutter gelangt. Der AFP-Wert kann im Fruchtwasser, aber auch im mütterlichen Blut nachgewiesen werden.

Ein erhöhter AFP-Wert im Blut kann ein Hinweis auf einen Neuralrohrdefekt wie offener Rücken oder Anencephalie sein, ein niedriger AFP-Wert kann möglicherweise auf ein Down-Syndrom hinweisen. Allerdings ist die Aussagekraft gerade beim Down-Syndrom umstritten, und auch ein Verdacht auf einen Neuralrohrdefekt muss vom Ultraschall und einer Amniozentese erst bestätigt werden. Als günstiger Zeitpunkt der Blutentnahme gilt die 16.-18. SSW.

Eine umfassende nationale, vom Bundesminister für Forschung und Technik finanzierte Studie ergab folgende Zahlen, die nachdenklich stimmen: 50 800 Frauen wurden auf den AFP-Wert im Blut gescreent. Bei 1001 Schwangeren wurde ein erhöhter Wert im Blut festgestellt. Der Verdacht auf einen Neuralrohrdefekt wurde dann allerdings nur bei 50 Frauen (= 4,9%!) durch die Amniozentese bestätigt. Alle 50 Schwangerschaften wurden daraufhin abgebrochen oder endeten mit einem Spontanabort. Bei der Obduktion der toten Föten konnte in 6 Fällen der Missbildungsverdacht nicht bestätigt werden, in 12% der Fälle handelte es sich um einen falsch-positiven Befund! Häufig wird der AFP bei einer Routine-Untersuchung abgenommen, ohne das Wissen der Frau oder entsprechende Aufklärung über die Aussagekraft dieses Wertes. So kann sie plötzlich mit einem erhöhten bzw. erniedrigten Wert und der Entscheidung über weitere Untersuchungsmaßnahmen konfrontiert werden.

Der Triple-Test

Im Blut der Frau werden um die 15. Woche 3 Parameter, AFP sowie die Hormone HCG und Östriol bestimmt. Unter Berücksichtigung des Alters der Frau werden die Werte mittels Computerprogramm zueinander in Beziehung gebracht, um das individuelle Risiko in statistischen Wahrscheinlichkeiten hochzurechnen.

Der Nachteil ist, dass dieser Test extrem ungenau ist. Der Konzeptionstag muss bekannt, die Gewichtsangabe der Frau korrekt sein, keine Mehrlingsschwangerschaft vorliegen. Wenn das Ergebnis keinen statistischen Verdacht ergibt, ist das keine Garantie für ein Kind ohne Down-Syndrom oder eine andere Erkrankung. Von manchen Gynäkologen als genereller Screening-Test gefordert, stiftet er mehr Verwirrung als er nützt.

Amniozentese

Die Amniozentese erfolgt normalerweise im zweiten Drittel der Schwangerschaft zwischen der 16. und 18. SSW.

Erst zu diesem Zeitpunkt ist genügend Fruchtwasser mit abgelösten Hautzellen des Fötus vorhanden, um eine Zellkultur anzulegen. Diese Zellen werden einer Chromosomenanalyse unterzogen, die Hinweise auf bestimmte Abweichungen in der Grobstruktur des genetischen Aufbaus gibt. Außerdem werden noch einige biochemische Tests durchgeführt. Auf den Befund muss die Schwangere zwischen 2 und 4 Wochen warten. Insgesamt wird die Fehlerquote bei Fruchtwasserbefunden als gering eingeschätzt. Trotzdem gibt es auch hier, wie überall in der Medizin Fehlbefunde. Als mögliche Komplikationen sind Blutungen, Schmerzen, Fruchtwasserabgang und vorzeitige Wehentätigkeit zu nennen, die auch bei negativem Befund die Schwangerschaft stark beeinträchtigen können.

Das Fehlgeburtsrisiko wird von Fachleuten unterschiedlich hoch eingeschätzt. In der Studie der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden Fehlgeburtsraten zwischen 0,3% und 2,4% bis zur 28.SSW genannt. Allerdings bleibt unklar, inwieweit jede Fehlgeburt auch als eine Folge der Punktion zu werten ist. Der Ultraschallspezialist Prof. Hansmann kam 1990 mit Zahlen zwischen 0,5% und 5% zu einer höheren Risikoeinschätzung. Diese Zahlen veranlassten ihn, von einem leichtfertigen oder routinemäßigen Gebrauch der Amniozentese abzuraten.

Bei der Chromosomenanalyse werden die Chromosomen bestimmt und Abweichungen in der Anzahl oder Struktur, im Fruchtwasser der AFP-Wert bestimmt. Dieser kann falsch positiv bzw. erhöht sein, wenn mit der Punktionsnadel in die Plazenta gestochen wurde, oder durch eine Verletzung des Kindes die Probe durch Blutbeimengungen verunreinigt ist.

Durch Untersuchungen der chemischen Zusammensetzung des Fruchtwassers oder der Fötalzellen können Anomalien im Eiweiß- oder chemischen Stoffwechsel diagnostiziert werden. Etwa 70 verschiedene Stoffwechselstörungen sind bereits pränatal feststellbar. Die amniotische Flüssigkeit wird allerdings meist nur auf solche überprüft, die schon einmal in der Familie aufgetreten sind. Obwohl die Amniozentese als sehr genau gilt, können im Labor Schwierigkeiten auftreten:

  1. Kontamination der Entnahmespritze mit mütterlichen Zellen. Diese Verunreinigung kann die Interpretation der Fötalzellen verfälschen.
  2. Manchmal multiplizieren durch eine unzureichende Menge gewonnenen Fruchtwassers sich die Zellen im Labor nicht. 
  3. Artefakte: Die Zellen in der Nährlösung reproduzieren sich nicht übereinstimmend, d.h. die Analyse ergibt Zellen mit unterschiedlichem Chromosomenaufbau. Dies kann selten auf eine echte Erkrankung des Kindes hinweisen oder aber an der Kultur der Zellen im Reagenzglas liegen.

Bei unklaren Ergebnissen haben die Schwangeren die Wahl, die Untersuchung zu wiederholen, was eine nochmalige Wartezeit von Wochen bedeutet, oder mit der Unsicherheit leben zu müssen.

Chorionzottenbiopsie

Auch sie dient dazu, fötale Zellen für eine Chromosomenanalyse zu gewinnen. Ihr Vorteil ist, dass sie bereits zwischen der 10. und 11. SSW vaginal und ab der 13. SSW abdominal durchgeführt werden kann. Allerdings gilt sie als unsicherer und riskanter als die Amniozentese. Es kann vorkommen, dass nicht genügend Material gewonnen werden oder kein eindeutiges Ergebnis erzielt werden kann. In einer Untersuchung mussten 9% der Frauen wegen Interpretationsproblemen des Befundes anschließend noch eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen lassen. Zudem können aufgrund des frühen Zeitpunktes der Untersuchung noch keine Aussagen über Neuralrohrdefekte beim Kind gemacht werden.

Bei der vaginalen Entnahme wird unter Ultraschallsicht ein Katheter durch den Muttermund in den Uterus geschoben, um Gewebe aus dem Chorion abzusaugen.

Nach der deutschen Verbundstudie "Chorionzottendiagnostik" kam es in 21% der Fälle zu Komplikationen wie vaginalen Blutungen, Bauchschmerzen, vorzeitigen Wehen, vorzeitigem Blasensprung und bei 8,6% zu einer Fehlgeburt; bei 72,3% der Feten wurde kein pathologischer Befund festgestellt.

(Prof. Rolf -Dieter Wegner: Abortrisiko 1-2%)

Fetoskopie und Nabelschnurpunktionen

Beide Methoden sind risikoreiche Eingriffe, die nur bei bestimmten Indikationsstellungen wie pränatalen Infektionen oder Verdacht auf Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte angewandt werden. Die Fetoskopie ist ein Verfahren, bei dem mit Hilfe eines 2 bis 3 mm dicken Röhrchens durch die Bauchdecke der schwangeren Frau gestochen wird, um den Fötus zu betrachten und evtl. fötale Haut- oder Leberproben zu entnehmen. Bei der Nabelschnurpunktion wird mit Hilfe einer feinen Kanüle aus der Nabelvene Blut entnommen. Damit ist eine schnelle und zuverlässige Chromosomendiagnostik auch noch in der 22. bis 23. SSW möglich. Außerdem können beim Ungeborenen bestimmte Antikörper gegen Infektionskrankheiten wie Röteln, Toxoplasmose oder HIV identifiziert werden. Auch Bluttransfusionen in utero und die Verabreichung von Medikamenten sind möglich. Beide Untersuchungsmethoden sind mit einem beträchtlichen Fehlgeburtsrisiko verbunden. (Fetoskopie 6-8%, Nabelschnurpunktion 2-6,9%)

(Prof. Rolf -Dieter Wegner: Abortrisiko 1-3%)

Erklärung verschiedener Syndrome:

Down-Syndrom = Trisomie 21
Das Down-Syndrom bezeichnet, ist die am weitaus häufigsten diagnostizierte Chromosomenanomalie. Dieser Befund macht zwischen 50 und 70% aller pränatal diagnostizierten genetischen Normabweichungen aus. Bei der Trisomie 21 liegt das Chromosom 21 dreimal, anstatt normalerweise zweimal vor. Das Auftreten der Trisomie 21 nimmt mit dem Alter der Mutter zu. Das Down-Syndrom kennt sehr unterschiedliche Ausprägungen. Manchmal ist es mit Organfehlbildungen oder Herzfehlern verbunden. Im allgemeinen gelten die Kinder als intellektuell beeinträchtigt, allerdings gibt es darin eine große Variationsbreite, die unter anderem auch wesentlich von der Aufnahme durch die Umwelt und der individuellen Förderung abhängt.

Geschlechtschromosomenanomalien
Dies sind die am zweithäufigsten diagnostizierten Abweichungen. Es handelt sich hierbei um Chromosomenfehlverteilungen. Die Ursachen sind noch nicht erforscht, wobei hier das Alter der Eltern eine unwesentlichere Rolle spielt. Der eigentliche Krankheitswert ist selbst unter Fachleuten umstritten. Dazu gehören:

Das Klinefelter-Syndrom
Dieses Syndrom kommt auf ca. 800 Jungengeburten einmal vor. Die Kinder entwickeln sich meist unauffällig, erst in der Pubertät fällt unter Umständen auf, dass die Jungen zwar überdurchschnittlich groß sind, aber häufig kleine Hoden haben und die Brust mitunter vergrößert ist. In D leben Schätzungen zufolge etwa 30 000 Jungen oder Männer mit einer solchen Geschlechtschromosomenanomalie. Ihnen wird weniger Durchsetzungsvermögen und intellektuelle Schwerfälligkeit nachgesagt. Außerdem sind sie in der Regel steril.

Das XYY-Syndrom
Es betrifft auch nur das männliche Geschlecht und kommt auf 1000 Neugeborene nach Schätzungen einmal vor. Bekannt geworden ist dieses zweite Y als sogenanntes Verbrecherchromosom, weil angeblich unter Kriminellen gehäuft Fälle dieser Chromosomenverteilung auftreten. Dies wurde widerlegt, die Kinder gelten mittlerweile weitgehend als körperlich und geistig unauffällig.

Das Turner-Syndrom
Das Ullrich-Turner-Syndrom betrifft ausschließlich Mädchen. Die Kinder kommen mit nur einem X-Chromosom, statt mit zweien auf die Welt. Das Syndrom tritt mit einer Häufigkeit von 1:2500 auf. Allerdings sind weit mehr Schwangerschaften betroffen, vermutlich jede 80. Doch 95% der Föten mit Turner-Syndrom sterben bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel ab. Da in diese Zeit die Chorionzottenbiopsie fällt, müssen sich zukünftig sicherlich mehr Paare mit diesem Krankheitsbild und der Frage des Abbruchs auseinandersetzen. Turner-Mädchen gelten als intellektuell normal entwickelt. Sie haben einen kleinen Körperwuchs und sind meist unfruchtbar.

Trisomie 13 und 18
Die Trisomie 18 (Edwards-Syndrom genannt) ist eine schwerwiegende Chromosomenstörung, die schätzungsweise bei 3000 Geburten einmal auftritt. Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt bei Jungen 2-3 Monate, bei Mädchen etwa 10 Monate.

Seltener tritt die Trisomie 13 auf. Die meisten Föten sterben bereits intrauterin. Die mittlere Lebensdauer beträgt 4 Monate.

Fast alle Föten mit oben diagnostizierten Geschlechtschromosomenanomalien werden abgetrieben.

Neuralrohrdefekte

Neuralrohrdefekte, Verschlussstörungen des knöchernen Schädels, des Gehirns, bzw. der Wirbelsäule und des Rückenmarks, entstehen etwa in der 4. Embryonalwoche. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein. Das Alter der Eltern spielt bei der Entstehung keine Rolle. Ein schwerer Neuralrohrdefekt ist die Anencephalie. Die Föten sterben bereits intrauterin oder wenige Stunden nach der Geburt. Auf 10 000 Geburten kommt ein Kind mit Anencephalie.

Bei spina bifida (1:3300 Lebendgeborene) liegt oft gleichzeitig ein Hydrocephalus vor. Manche Kinder haben trotz operativer Maßnahmen schwere neurologische Behinderungen, andere können sich bei entsprechender Therapie völlig normal entwickeln.

Diagnose => Therapie?

Bisher gibt es für die meisten pränatal diagnostizierten fetalen Abweichungen keine Therapiemöglichkeit, so dass die Pränataldiagnostik faktisch den Schwangerschaftsabbruch zur Folge hat. Das wird ärztlicherseits immer wieder als Dilemma bedauert und mit Hinweis auf die weitere Entwicklung der Fötalmedizin und Gentechnik als lösbar erklärt. Neben der Gentherapie ist es seit ca. 10 Jahren zunehmend möglich, den Fötus schon intrauterin zu behandeln. So hat ein französischer Mediziner einem immunkranken 28 Wochen alten Fötus Leber- und Thymuszellen über die Nabelschnur Übertragen und das Kind gerettet. Bei Rhesusunverträglichkeiten und kindlicher Anämie kann eine Bluttransfusion über die Nabelschnur durchgeführt werden.. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, den Föten Shunts zu legen. 

Tatsache bei einer weiteren Entwicklung der intrauterinen Therapie ist, dass das Kind selber und nicht mehr nur die Mutter behandelt wird. Das wird dann schwierig, wenn in Zukunft rechtliche Entwicklungen der Mutter die Entscheidung über ihr Kind abnehmen und sie zu Untersuchungen bzw. Behandlungen "zum Wohle des Kindes" gezwungen wird. Es gibt bereits Stimmen, die den staatlichen Schutz des ungeborenen Leben reklamieren.

Fallbeispiele: Der Entscheidungskonflikt bzw. Schwangersein auf Probe

Die Nachricht hat sich in Windeseile in der Stadt ausgebreitet: Eine Frau in den Jahren, wo es sich gehört, eine pränatale Diagnostik durchführen zu lassen, lehnte diese ab und hat jetzt ein mongoloides Kind geboren. "Das hat sie nun davon", sagte einer, fast schadenfroh. Andere fanden es unvernünftig von ihr, diese Untersuchung verweigert zu haben, die dritten empfanden Mitleid, aber auch Respekt vor dieser Entscheidung. Tiefere Konflikte, ob sie die Fruchtwasseruntersuchung machen lassen sollte, oder nicht, waren für Ulla mit der Entscheidung nicht verbunden. Auch nicht, als ihr Frauenarzt versuchte, sie mit der Bemerkung zu überreden: Er könnte nicht mit einem behinderten Kind leben. Ulla antwortete trotzig: "Ich schon!" Sie hat dieses Kind mit ihrem Mann ganz bewusst gezeugt und wollte es mit ihren 38 Jahren auch annehmen, so wie es ist.

Ein so selbstsicherer Umgang mit der Schwangerschaft, egal was sie bringen mag ist aber keinesfalls die Regel. 

Gila (mit 43 Jahren noch schwanger geworden) berichtet nach einer Amniozentese: "Als ich das Ergebnis mitgeteilt bekam, war ich schon dicker geworden. Trotzdem habe ich es bis dahin vermieden, mich schwanger zu fühlen. Ich zwängte mich in die alten Kleider und verheimlichte nach außen meine Schwangerschaft. Ich verdrängte alle Pläne einer gemeinsamen Zukunftsgestaltung, spürte keine Kindsbewegungen, vermied die Zwiegespräche mit dem Kind, das in meinem Bauch heranwuchs. Ich war nur zur Probe schwanger. Ich wagte mich nicht zu freuen, um nicht das Leid eines möglichen Abschieds zu vergrößern." In der 22. SSW bekommt sie Bescheid, dass die Amniozentese o.B. sei. Einen Tag danach spürte sie das erste Mal Kindsbewegungen. Im Nachhinein reflektiert sie: "Was wäre gewesen, wenn ich nach dem Eingriff das Kind verloren hätte oder, wenn der Befund nicht der Regel entsprochen hätte? Hätte ich wirklich noch in der 22. SSW einen Abbruch gemacht?"

Lisa (36 Jahre) hat eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. Der Befund war negativ. Das Kind kam mit einer Speiseröhrenmissbildung auf die Welt: "Ich habe einem Jungen das Leben geschenkt, um dessen Überleben ich kämpfen muss, und von dem ich bis heute noch nicht weiß, ob er möglicherweise eine geistige Beeinträchtigung hat."

Sie hofft, dass, wenn sie anderen Frauen von ihren Erfahrungen berichtet, sie sich kritischer mit den Möglichkeiten der Untersuchungen auseinandersetzen. "Ich habe einen normalen Befund als Ergebnis der Amniozentese mit einem Garantieschein für ein gesundes Kind verwechselt."

Karin (37) erzählt: "Ich hatte Angst, ich könnte mich auf das Kind nicht voll einlassen, wenn ich die Fruchtwasseruntersuchung nicht machen ließe, weil ich immer das Gefühl hätte, ich hätte was versäumt und es könnte möglicherweise doch schwerstbehindert sein. Andererseits hatte ich furchtbare Angst, ich könnte das Kind durch die Untersuchung verlieren."

Hannah bekam mit 39 Jahren die Diagnose Turner-Syndrom bei ihrem ungeborenen Mädchen gestellt. Sie stand vor der Entscheidung, das Kind auszutragen oder nicht. Sie berichtet: "Ich wünsche keinem Menschen, jemals in seinem Leben vor so einer Entscheidung zu stehen. Ich hatte vorher keine Ahnung, wie es einem geht, wenn man Gott spielen soll." Sie fühlte sich in einer Zwickmühle, denn, so sagt sie: "Egal, wie man sich in so einer Situation entscheidet, das Leben wird nie mehr so sein, wie es vorher gewesen ist."

Der eingeleitete Tod: Tabu und Trauma

Die Mehrzahl der Frauen setzt sich nicht mit der Kehrseite der Diagnostik auseinander, und die liegt im künstlich herbeigeführten Tod. Einen längerer Geburtsprozess entspricht meist nicht den Erwartungen und Wünschen der Frau, die, bei negativem Ergebnis der Untersuchungen, das Ganze schnell hinter sich bringen wollen.

Ein Schwangerschaftsabbruch jenseits der 16. SSW ist nicht vergleichbar mit einem Abbruch zu einem früheren Zeitpunkt. Der Fötus muss geboren werden, ist unter Umständen voll entwickelt und kann zwischen 200 und 700g wiegen. Da aber der Körper der Frau auf "Schwangersein" eingestellt ist, geht die Geburt häufig über mehrere Tage. Muttermundsreife sowie hormonelle Ansprechbarkeit der Gebärmutter sind zu diesem frühen Schwangerschaftszeitpunkt sehr gering. Für viele betroffene Paare steht auch die Angst vor der Begegnung mit dem Föten im Vordergrund: "Will ich das Kind anschauen; was ist, wenn es noch lebt?" Die enorme psychische Belastung der Frau und ihres oft anwesenden Partners ist bei dem Geburtsgeschehen nicht zu unterschätzen! Nach der Geburt des Föten wird die Plazenta in der Regel nicht von selbst oder unvollständig geboren. Das bedeutet noch eine Vollnarkose und eine Operation.

Über das ganze Procedere wird die Schwangere oft erst unmittelbar vor Beginn der Geburtseinleitung und nicht etwa bereits von ihrem niedergelassenen Gynäkologen oder einer Hebamme ihres Vertrauens informiert. Diese dunkle Seite vorgeburtlicher Diagnostik soll in aller Stille und unbemerkt stattfinden, sowohl von betreuender Seite, als auch aus der Sicht der Eltern, die ihre Konflikte nicht in die Öffentlichkeit tragen, oft aufgrund von Scham- und Schuldgefühlen.

Lieber lebendig als normal! Ein Gesellschaftskonflikt

Was ist normal, was Behinderung? Wie viele genetische Abweichungen werden in der Zukunft noch entdeckt und wer bestimmt, ob das Leben mit einem solchen Defekt lebenswert ist oder gar nur eine Belastung für Familie und Umwelt.

Will ich alles wissen, was möglich ist, alles machbare tun? Wie wird sich die Situation Behinderter in unserer Gesellschaft in den nächsten 50 Jahren entwickeln? Jetzt schon ausgegrenzt, werden sie vielleicht bald als Menschen betrachtet, die "doch nicht hätten geboren werden brauchen."

In den 70er Jahren entstand die sogenannte "Krüppelbewegung", ein Zusammenschluss behinderter Menschen, die versuchen die Sichtweise in der Gesellschaft zu ändern. Sie gehen das Thema bewusst aggressiv und provozierend an: "Nicht wir als Behinderte, als Randgruppe sind das Problem, sondern die Gesellschaft in der wir leben, und die Nichtbehinderten, die Schwierigkeiten mit uns haben, sei es, weil sie Widerwillen und Ablehnung gegenüber "Krüppeln" empfinden und deshalb der Konfrontation ausweichen wollen, sei es, weil wir sie an die eigene Verletzbarkeit erinnern, sei es, weil wir gesellschaftlichen Wertvorstellungen nicht entsprechen." 

Was bedeutet die eugenische Indikation zum Schwangerschaftsabbruch? Eugenisch kommt aus dem griechischen und heißt: "von guter, edler Abstammung." Die genetische Aussonderung ist in ihrer Logik zutiefst behindertenfeindlich und auch gegen Frauen gerichtet, denn nur über die umfassende Kontrolle der Frau in der Schwangerschaft kann das Ziel, möglichst wenig behinderte Menschen entstehen zu lassen, verwirklicht werden.

Eva Schindele sagt: Genetische Beratung und Diagnostik verändern schon heute soziales und individuelles Bewusstsein in Richtung auf Machbarkeitswahn. Sie erzeugen die Illusion, dass Behinderung abzuschaffen ist, und verhindern damit, dass sich Wissen, Umgangsformen und Traditionen für den Umgang mit Leid, Schmerz, Behinderung und behinderten Menschen ausbilden und entwickeln sowie gepflegt werden können. In einer Zeit, in der jeder im Alltag möglichst reibungslos funktionieren muss, besitzt die Vorstellung einer vollständigen Gesundheit, eines heilen Lebens offenbar große Faszination.

Es ist den Frauen natürlich nicht damit gedient, in das andere Extrem zu verfallen und sie zum Austragen einer Schwangerschaft zu drängen, wenn sie dann mit einem Kind leben müssen in einer Umwelt, die sie nicht auffängt.

Die Hebamme im Wandel der medizinischen Entwicklung 

....Die Angst vor Krankheit und Behinderung nimmt in dem Ausmaß zu, wie sie in der Gesellschaft unnormaler und seltener werden. Wie die Erfahrungsberichte der Schwangeren gezeigt haben, können sich Frauen, die zu der sogenannten Risikogruppe gehören, erst voll auf das Kind einlassen, wenn die vorgeburtliche Diagnostik das OK dazu gegeben hat. Das Geburtsgeschehen, welches wir begleiten, wird immer das gleiche bleiben und doch hat sich die Betreuung gewandelt. Die vorgeburtliche Diagnostik ist schon jetzt nicht mehr wegzudenken und daraus ergeben sich ganz neue komplexe Aufgabenstellungen:

Erstens: Aufklärung, auch in der Gesellschaft durch Öffentlichkeitsarbeit. Vielfach haben sich in den Köpfen schon Halbwahrheiten festgesetzt. Wir sollten klar machen, dass aus einem kranken Kind ausschließlich durch die Diagnostik noch kein gesundes wird. Ich will nicht abstreiten, dass bei manchen Krankheitsbildern (z.B. der Rhesusinkompatibilität) die heute mögliche Behandlung ein Segen ist. Es gilt einfach genau zu differenzieren.

Zweitens: Aufklärungsgespräche der Frauen, und zwar ehrliche und mit Zeit und Verständnis für die Entscheidungsnot. Dies ist nicht einfach, da mancher Frauenarzt eher Gegenarbeit leistet als hilft. Ein Beispiel: "Nachdem feststand, unser Kind hat Trisomie 18, sagte mir meine Frauenärztin, es wäre ein Klacks, ein bisschen Gel an den Muttermund und ein paar Stunden später sei alles vorbei. In der Klinik eröffnete uns der Oberarzt, dass mir eine "kleine Geburt" bevorstehe, die auch Tage dauern könne."

Drittens: Die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen rund um die Diagnostik und den sich daraus ergebenden Konsequenzen. Die Anforderung ist: Jede Gebärende gleich kompetent und liebevoll zu betreuen, auch wenn man persönlich nicht ja sagen kann zu einer Einleitung bei dieser oder jener Diagnose. Nicht selten werden wir dem Gefühlsspagat ausgesetzt sein, gleichzeitig mit der Mutter um das Leben eines in der 24. SSW zu früh geborenen Kindes zu bangen, andererseits eine zweite Frau in der gleichen SSW bei der Geburtseinleitung des unerwünschten Kindes zu begleiten. Theoretisch darf es keinen Unterschied im professionellen Umgang mit der Frau geben.

Viertens: Die psychologische Betreuung einer Gebärenden in der 23. SSW mit einem missgebildeten oder toten Kind stellt ganz andere Anforderungen an die Hebamme, als die Geburt eines gesunden Wunschkindes. Für diese Gefühlsarbeit sind wir allerdings meist nicht vorbereitet, wenn wir uns selber nicht intensiv damit auseinandersetzen. Z.B.: Was ist, wenn das Kind noch lebt? Wie verhalte ich mich dann? Beziehe ich die Frau/das Paar in den Sterbeprozess des Föten mit ein und wenn ja wie? Was ist der Frau zuzumuten, hat sie sich doch gegen das Kind entschieden?

Fünftens: Der Aufbau eines Raumes für Supervision wäre vonnöten. Es gibt auch für die Hebammen vieles aufzuarbeiten und noch viele offene Fragen zu diskutieren. Z.B. Wo sind im Berufsbild der Hebamme die ethischen Grenzen? Wollen wir die Herausforderung dieses Tätigkeitsfeldes überhaupt annehmen, oder haben wir gar keine Wahl?

Antje Kehrbach, Hebamme aus Bremen, schreibt:

"Die Hebamme als kontinuierliche Begleiterin des Lebensabschnittes Schwangerschaft hat den nach Risiko fahndenden Medizinern Platz gemacht und sich selbst immer mehr zum Assistenzberuf degradiert. Mit diesem Verlust hat nicht nur ein kompetenter Frauenberuf mehr und mehr an Einfluss verloren, auch die Wertigkeit von Schwangerschaft und Geburt hat sich gewandelt. Dieses Verständnis von Schwangerschaft als weiblichem Potential, als einen Prozess der sich auf der körperlichen, seelischen, wie sozialen Ebene vollzieht und somit ein Reifungsprozess ist, der nicht medizinischer Behandlung, sondern kompetenter Begleitung bedarf, muss auch in meiner Berufsgruppe zurückerobert werden. Die Schwangerenvorsorge gehört wieder in die Hand der Hebamme. Die routinemäßige Ausweitung von vorgeburtlicher Diagnostik konnte nur im Rahmen dieser ideologischen Veränderung der Schwangerenvorsorge solchen Stellenwert erhalten. Frauen müssen wieder mehr Kompetenz und vor allem Vertrauen im Umgang mit sich selbst entwickeln." (Deutsche Hebammen Zeitschrift 7/98, Artikel Tabu und trotzdem Routine von Antje Kehrbach S. 343-346)

Schlusswort:

Ein Gedicht einer Frau mit Turner-Syndrom:

Das Gänseblümchen ist die Blume der Kinder.
Man sollte ein Gänseblümchen 
nicht neben eine Rose stellen.
Und trotzdem ist es dieselbe Sonne,
die beide öffnet.
Und alle Blumen sind schön.

Anschrift der Verfasserin: Andrea Rösner, Eurskirchener Weg 103, 53359 Rheinbach

Die Fotos sind als Postkarten zu beziehen bei:
Infantastic, Schlüsselblumenweg 30, D 30880 Laatzen, Tel 0049 5102 914430,
www.infantastic.at

 

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Standpunkte zu Pränataler Diagnostik

Bund Deutscher Hebammen

Vorgeburtliche Diagnostik ist im Verlauf ihrer Entwicklung zur Routineuntersuchung in der Schwangerenvorsorge geworden. Wir Hebammen sind zunehmend mit den Konsequenzen dieser risikoorientierten Schwangerenvorsorge konfrontiert.

Wir beobachten, dass der lebendige Prozess der Schwangerschaft mit seinen körperlichen, seelischen und sozialen Anteilen immer mehr zu einem überwachungspflichtigen Produktionsprozess wird. Der medizinische Umgang mit dem sich entwickelnden Kind wird zur Qualitätskontrolle, die schwangeren Frauen die technische Machbarkeit von gesunden Kindern vortäuscht.

Wir meinen, Pränatale Diagnostik mit dem Ziel der Selektion als abweichend diagnostizierter Ungeborener dient nicht der Vorsorge und nur sehr selten der Therapie kindlicher Erkrankungen. Wir wissen, dass es keine Therapie genetischer Abweichungen gibt und dass in der heutigen Praxis ein solcher Befund in der Regel zum Abbruch der Schwangerschaft führt.

Wir nehmen eine Entwicklung wahr, mit der Frauen durch immer mehr und immer früherer Diagnostik in große Verunsicherungen gestürzt werden. Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt, das Angebot der Diagnostik in Anspruch zu nehmen. Frauen befürchten, für die Geburt eines behinderten Kindes verantwortlich gemacht zu werden und "selbst schuld" zu sein. Im Prozess der Diagnostik erleben Frauen emotionale und soziale Veränderungen, die ihre Schwangerschaft erheblich beeinträchtigen: ein "Schwangersein auf Probe", eine Störung der sich entwickelnden Mutter-Kind-Beziehung.

Hebammen begleiten seit Jahren die dunkelste Seite von Pränataler Diagnostik, den Schwangerschaftsabbruch durch Geburtseinleitung. Am Ende der Kette der Diagnostik ohne Therapiemöglichkeit, die mit hohem Aufwand betrieben wird, erfahren wir einen unwürdigen, konzeptlosen Umgang mit den betroffenen Frauen, Paaren und Kindern. Wir wissen um die Traumatisierung dieser Frauen, um die Auswirkungen der Traumata auf ihre Gesundheit, auf folgende Schwangerschaften und Geburten.

Wir erleben den seit 1995 verstärkt betriebenen Fetozid (intrauterine Tötung) des Kindes, das nicht lebend zur Welt kommen soll, als eine für uns unverträgliche Zuspitzung der ethischen Problematik Pränataler Diagnostik.

Das routinemäßige Angebot Pränataler Diagnostik mit ihren selektiven Konsequenzen stellt für uns Hebammen das Lebensrecht von Menschen mit Behinderungen in Frage. Wir sehen, dass es die Entwicklung einer "Eugenik von unten", die Selektion kranker und behinderter Menschen fordert.
Wir verurteilen genetische Normierung und jede Ausgrenzung behinderter Menschen. Wir setzten uns für ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung und für die Unterstützung betroffener Familien ein.

Angesichts dieser Entwicklung, deren gesellschaftliche Brisanz in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, setzen wir uns ein für:

  • den Beginn der längst fälligen breiten Diskussion über das Welt- und Menschenbild Pränataler Diagnostik. Die sozialpolitischen und menschlichen Konsequenzen sollen öffentlich thematisiert werden mit dem Ziel, Pränatale Diagnostik als unreflektierte Routineuntersuchung rückgängig zu machen.
  • die Herausnahme der Pränatalen Diagnostik aus der üblichen Schwangerenvorsorge und die dafür notwendigen Veränderungen der Mutterschaftsrichtlinien.

In Bezug auf die derzeitige Praxis fordern wir:

  • eine rechtzeitige und umfassende Aufklärung vor jeder pränataldiagnostischen Maßnahme (auch vor Ultraschalluntersuchungen), die der Suche nach Fehlbildungen dient.
  • überprüfbare Standards für die Aufklärung, die den Hinweis auf unabhängige Beratungsangebote enthält und die mangelnde Therapiemöglichkeiten ebenso wie den Schwangerschaftsabbruch bei positivem Befund thematisiert.
  • die Bereitstellung eines breiten psychosozialen Beratungs- und Unterstützungsangebots vor, während und nach Pränataler Diagnostik.
  • die Einhaltung einer angemessenen Frist zwischen der Mitteilung eines auffälligen Befundes und der Durchführung eines Schwangerschaftsabbruches.
  • die Befristung von Schwangerschaftsabbrüchen nach Pränataler Diagnostik bis zur extrauterinen Lebensfähigkeit des Kindes (24. SSW pm) unter der Berücksichtigung besonderer Ausnahmefälle, bei denen postnatal keine Überlebenschancen bestehen.
  • die Ablehnung der intrauterinen Tötung Ungeborener (Fetozid) und unabdinglich zum Fetozid führender Maßnahmen wie z.B. Rivanol-Einleitungen.
  • die professionelle medizinische und psychosoziale Betreuung jeder betroffenen Frau / jedes Paares - unabhängig von ihrer individuellen Entscheidung.
  • die Fortbildung und Supervision für alle Berufsgruppen, die Frauen und ihre Partner mit induziertem Spätabort / Geburtseinleitung begleiten.
  • die Einführung von Maßnahmen zur Qualitätssicherung im gesamten Arbeitsgebiet von Pränataler Diagnostik (z.B. statistische Erfassung der Komplikationen nach Amniozentese, statistische Differenzierung der medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbrüche, die Initiierung von Forschungsvorhaben, die sich mit den Langzeitfolgen aller pränataldiagnostischen Maßnahmen beschäftigen).

Wir Hebammen wollen Frauen in der Auseinandersetzung mit Pränataler Diagnostik bestärken, ihren eigenen Blick auf ihre Schwangerschaft, ihre Ethik, Haltungen und Gefühle ernst zu nehmen.

Wir ermutigen Frauen, sich von einer einseitig medizinisch-technischen Sichtweise des Lebensabschnittes Schwangerschaft/Geburt abzugrenzen.

Wir wünschen uns, dass sich Frauen in die gesellschaftliche Diskussion um Pränatale Diagnostik aktiv einmischen.

 

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Ultraschall - Hinweiszeichen und ihre Konsequenzen

Dr. Adam Gasiorek - Wiens, Gynäkologe, und Prof. Dr. Rolf-Dieter Wegner, Humangenetiker haben bei der Fachtagung "LebensEntscheidungen. Beratung und Begleitung für Frauen und Paare im Zusammenhang mit vorgeburtlicher Diagnostik" vom 1.-3.12.97 in Berlin eine Arbeitsgruppe unter dem Titel "Search and save or search and destroy" abgehalten. In der Dokumentation dieser Fachtagung, herausgegeben von der Ev. Konferenz für Familien- und Lebensberatung eV, Ziegelstr. 30, D 10117 Berlin werden auf den Seiten 117 bis 151 u.a. sehr ausführlich Methodik und Konsequenzen, Vor- und Nachteile der vorgeburtlichen Diagnostik und hierbei besonders der US Diagnostik dargelegt. Wir danken für die Möglichkeit, ausführlich aus der Broschüre zitieren zu können und haben entsprechend dem med. Basiswissen unseres Berufsstandes gekürzt!

Hinweiszeichen für Chromosomenanomalien

  • Erweiterung der Größe von Magen und Zwölffingerdarm
  • Nackenverdickung
  • Sandalenlücke (großer Abstand vom großen Zeh zu den anderen Zehen)
  • Nierenbeckenerweiterung beider Nieren über einen Grenzwert von ca. 4 mm
  • White Spot (kleiner echoreicher Fleck am Papillarmuskel)
  • Verkürzter oder fehlende Verknöcherung des Mittelglieds vom kleinen Finger
  • Herzfehler
  • Hirnventrikelerweiterung, Plexuszysten
  • Lippen-Kiefern-Gaumenspalte
  • Omphalozele
  • Extremitätenfehlbildungen
  • Wachstumsstörungen

Viele der Hinweiszeichen sind nicht signifikant, werden aber in der Literatur mit einer meist geringfügigen Erhöhung des Altersrisikos für z.B. Trisomie 21 angegeben und führen häufig zu Beunruhigung. Andere dagegen wie Herzfehler oder Omphalozele sind dagegen mit einem hohen Risiko für Chromosomenerkrankungen verbunden. Je nach Befund und Erhöhung des Basisrisikos muss eine invasive Diagnostik wie Amniozentese, Chorionzottenbiopsie oder Fetalblutanalyse zur Ausschlussdiagnostik angeboten werden.

Es werden hier die verschiedenen Hinweiszeichen aus der Ultraschallbefundung der Basisdiagnostik beschrieben und die zugehörigen möglichen Entwicklungsstörungen oder Differentialdiagnosen erwähnt. Alle diese Hinweiszeichen sollten durch eine weiterführende Ultraschall-Feindiagnostik vom Spezialisten abgeklärt werden. Sie haben teils einen erheblichen Einfluss auf die Überwachung der Schwangeren als auch auf die Geburtsplanung. Werden wichtige Hinweiszeichen nicht erkannt und weiter abgeklärt, kann dies erhebliche Folgen für die Gesundheit des werdenden Kindes als auch die der Schwangeren selbst haben.

Polyhydramnie

Polyhydramnie d.h. erheblich vermehrtes Fruchtwasser finden sich z.B. beim Schwangerschaftsdiabetes und bei fetalen Fehlbildungen, dagegen sind ca. 60 % ohne erkennbare Ursachen. Die Kenntnis von möglichen Fehlbildungen des Magen-Darmtrakts wie Einengungen oder Verschluss des Magens und/oder des Darmes sind zum Zeitpunkt der Geburt wichtig, da sie meist eine operative Therapie nach der Geburt erfordern und durch eine verzögerte Entdeckung bereits die ersten Komplikationen auftreten können.

Oligo-, Anhydramnie

Zu wenig oder kaum vorhandenes Fruchtwasser deutet auf Störungen des Harntrakts einschließlich der Nieren hin, außerdem bei vorzeitigem Blasensprung und Mangelentwicklung infolge Plazentaprobleme. Die Entwicklung der Lungen ist erheblich von einer ausreichenden Fruchtwassermenge abhängig.

Anenzephalie, Mikrozephalie

Feten mit Anenzephalus sind nicht lebensfähig. Die Austragung ist meist mit einem erheblichen Schock bei der Geburt für die Eltern verbunden. Bei Kenntnis der Diagnose kann bewusst eine Fortsetzung der Schwangerschaft und Vorbereitung auf die Geburt erfolgen. Häufig wird jedoch eine vorzeitige Schwangerschaftsbeendigung nach Diagnosestellung gewünscht. Eine Mikrozephalie wird meist erst gegen Ende der Schwangerschaft erkannt und führt zu differentialdiagnostischen Problemen der Grunderkrankung.

Enzephalo- oder Meningomyelozele, Spina bifida

Hier handelt es sich meist um operationspflichtige Befunde, die nach Geburt operiert werden müssen. Je nach Schweregrad und evtl. nachfolgender Behinderung wird für die Eltern eine Abwägung schwierig. Bei einer offenen Spina bifida ist ein geplanter Kaiserschnitt sinnvoll, um eine Infektion des offenen Ruckens zu vermeiden, da hierdurch sekundär eine Verschlechterung eintreten kann.

Hygroma colli

Es ist eine zystisch gekammerte Hautverdickung im Nacken, allerdings viel ausgeprägter als das Nackenödem. Embryos oder Feten mit schweren Befunden können intrauterin absterben und haben vielfach eine chromosomale Erkrankung wie Trisomie 21 oder Turner Syndrom, die in diesen Fällen als nicht lebensfähig eingestuft werden. Geringgradige Befunde sind häufig mit anderen Fehlbildungen wie Herzfehler, Zwerchfellhernie oder weiteren Entwicklungsstörungen verbunden, die zum Zeitpunkt der Geburt bekannt sein sollten, um eine sofortige fachgerechte Behandlung zu ermöglichen.

Struma

Eine Vergrößerung der Schilddrüse kann bereits durch Medikamente in der Schwangerschaft behandelt werden.

Teratom

Es handelt sich um einen soliden bis zystischen Tumor, der an vielen Körperpartien mit großer Wachstumstendenz zu erheblichen Störungen führen kann und ein großes Blutvolumen des ungeborenen Kindes beinhaltet. Sie sind meist nach der Geburt operabel. Bei der Geburt können sie ein Geburtshindernis darstellen, welches einen Kaiserschnitt erforderlich macht. Ist die Diagnose bekannt, kann gezielt die Schnittentbindung in einem Zentrum geplant und die optimale Versorgung des Kindes durch anwesende Kinderärzte und Chirurgen gewährleistet werden.

Omphalozele

Eine Omphalozele (gedeckter großer Bruchsack der vorderen Bauchwand) ist häufig mit anderen Fehlbildungen verknüpft und kann durch Chromosomenanomalien wie Trisomie 13, Trisomie 18 zustande kommen. Letztere sind nicht lebensfähige Syndrome und wurden bei einer Maximaltherapie für das Kind (z B. Kaiserschnitt) zu einem für die Schwangere vermeidbaren Operationsrisiko führen. Isolierte Omphalozelen sind durchaus gut operabel und erfordern eine engere Überwachung, sowie Geburtsplanung und häufig einen geplanten Kaiserschnitt.

Gastroschisis

Eine Gastroschisis (Bruch am Bauchnabel mit frei in der Fruchthohle schwimmendem Darm) erfordert eine enge Überwachung und vorzeitige Entbindung etwa mit 36-37 SSW durch Schnittentbindung. Durch Ultraschall- und Farbdoppler lassen sich Veränderungen des Darmes erkennen und die Geburtsplanung optimieren. Diese Kinder sind sonst völlig gesund und nach Operation geheilt. Werden diese Kinder vaginal und nicht in einem Zentrum der Maximalversorgung geboren, können Infektionen des Darmes und die Beeinträchtigung der Darmoberfläche durch den aggressiven Urin im Fruchtwasser zu schweren Verklebungen und Auflagerungen führen, die mit erheblich schlechteren Operationsbedingungen einhergehen und damit bleibende Schäden verursachen.

Extremitäten: Isolierte Dysmelie - Skelettdysplasie - Fehlhaltung der Hände und Füße

Fehlbildungen des Skelettsystems können unterschiedliche Konsequenzen nach sich ziehen. Isolierte überzählige Finger oder Zehen sind ohne wesentliche Bedeutung, erfordern jedoch eine Ausschlußdiagnostik weiterer Fehlbildungen, da einige Syndrome oder Trisomien hiermit verknüpft sind. Einige Formen von Zwergwuchs sind wegen des eingeengten Brustkorbes und der völlig unterentwickelten Lunge nicht lebensfähig und versterben kurz nach der Geburt. Bei Fehlstellungen der Füße sollte nach weiteren Erkrankungen gesucht werden, isolierte Klumpfüße sind nach Geburt gut zu behandeln.

Wird die Prognose eines Fetus nach Diagnostik als nicht überlebensfähig eingeschätzt, stellt sich die Frage nach dem weiteren Vorgehen. Bei Kenntnis der Diagnose zum Geburtszeitpunkt wird nach Absprache und mit Einverständnis der Eltern auf Intensivmaßnahmen zugunsten des Kindes verzichtet und die Gesundheit der Schwangeren in den Vordergrund gestellt, d.h. eine normale Geburt ohne Kaiserschnitt angestrebt, um ein Operationsrisiko wie hoher Blutverlust mit notwendigen Bluttransfusionen, Verletzung von Nachbarorganen wie Blase oder Darm, das Narkoserisiko, postoperative Wundheilungsstörungen und ein höheres Wiederholungsrisiko für einen nachfolgenden Kaiserschnitt.

Mikrozephalie oder Doligozephalie, Neuralrohrdefekte

Fehlbildungen wie extrem kleiner Kopfumfang können Teil eines Syndroms sein, dessen Diagnose möglichst annähernd gefunden werden sollte, um die weitere Abschätzung einer Prognose geben zu können. Die Entwicklung eines Mikrozephalus vollzieht sich langsam und ist oft erst im letzten Drittel der Schwangerschaft eindeutig beweisbar.

Neuralrohrdefekte können neben einem Hydrozephalus auch mit einer Verkleinerung des Kopfes einhergehen. Die Kenntnis der Diagnose Neuralrohrdefekt erfordert eine interdisziplinäre Beratung, um die Schwere der Erkrankung einzuschätzen und den Eltern gegenüber erläutern zu können. Die Geburt wird bei Neuralrohrdefekten meist durch Kaiserschnitt vorgenommen, um das Infektionsrisiko für das Kind zu mindern, welches sonst bei einer nachfolgenden Operation zu schlechteren Bedingungen führt.

Hydrozephalie

Ein Hydrozephalus (Wasserkopf) kann verschiedene Ursachen haben, von einer Infektion wie Toxoplasmose, Hirnblutungen bis zur Spina bifida oder anatomisch schwersten Fehlbildungen bei bestimmten Syndromen, Chromosomenanomalien wie Trisomie l3 oder 18. Bei extremem Kopfdurchmesser ist eine vorzeitige Entbindung durch Einleitung oder in Nähe des Geburtstermins durch Kaiserschnitt notwendig. Eine zunächst angestrebte Spontangeburt kann auch operativ durch Zangengeburt oder Saugglocke bei nicht zu großem Kopfdurchmesser beendet werden. Bei vielen operativen Geburtsbeendigungen muss ein höheres Risiko für die Entbindende und evtl. sogar für das Neugeborene in Kauf genommen werden, s.a. nachfolgenden Abschnitt bei thanatophorem Zwergwuchs.

Spina bifida und Hydrozephalus

Bei offenem Rücken in Kombination mit einem Wasserkopf ist der Schweregrad der Hirnveränderungen, die Höhe und die Größe der Spina bifida Ausgangspunkt für die Beratung der Eltern. In den meisten Fällen entscheiden sich die Eltern gegen eine Austragung der Schwangerschaft, wenn die Diagnose bis zum 2. Trimenon gestellt wird.

Thanatophorer Zwergwuchs

Diese für das Neugeborene tödliche Skeletterkrankung, die durch die Einengung des Brustkorbs zu einer unterentwickelten Lunge und damit zu einer nicht behandelbaren Atemstörung nach Geburt führt, macht bei Fortsetzung der Schwangerschaft zumindest eine vorzeitige Entbindung notwendig, da durch den relativ großen Kopf eine Spontangeburt nicht immer ohne Probleme möglich ist und oft sogar operativ beendet werden muss. Dadurch wird die Mutter selbst gefährdet (schwere Scheiden- oder Dammrisse, Fistelbildung zwischen Blase oder Darm und Scheide sowie Blasen- oder Darmentleerungsstörungen, hohe Blutverluste und damit Transfusions-Infektionsrisiko).

Thorax: Adenomatoid-zystische Lungenmalformation

Im Brustkorb können zystische bis solide Tumoren dieser Art eine erhebliche Größe einnehmen und dadurch die Lungen komprimieren und das Herz völlig auf eine Seite verdrängen. Dies führt häufig zu einer Dekompensation des Herzens und einer Stauung der rückführenden Gefäße. Durch Ultraschall kann die Diagnose gut vorher abgeklärt werden und eine optimale Betreuung der Schwangeren gewährt rechtzeitiges Intervenieren, z.B. medikamentöse Unterstützung der Herzleistung oder invasive Entlastungspunktionen. Eine Spontangeburt kann bei Kenntnis der Diagnose in einem Zentrum mit Kinderchirurgie geplant erfolgen und das Neugeborene einer optimalen Versorgung zugeführt werden.

Bronchialzysten, Pleuraerguss, Perikarderguss

Bei Bronchialzysten gilt gleiches wie im letzten Absatz. Ein Erguss der Lungen deutet auf weitere Probleme hin; z.B. Blutarmut, Infektionen, fetale Herzfehler oder Absonderung von viel Flüssigkeit in den Brustkorb bei einem sogenannten Hydrothorax, wobei sich die Lungen bei langanhaltendem Zustand nicht ausreichend entwickeln können und die Atmung der Kinder nach Geburt schwer gestört ist. Hier wird u.U. intrauterin durch Entlastungspunktionen und Einlage eines Katheters der Überdruck im Thorax vermindert. Die Geburt wird ebenfalls in einem Zentrum geplant, es kann eine Spontangeburt angestrebt werden. Das Neugeborene wird postpartal optimal versorgt.

Zwerchfellhernie

Die Diagnose einer Zwerchfellhernie ist zum Zeitpunkt der Geburt äußerst wichtig. Begleitfehlbildungen sprechen für Syndrome oder Chromosomenanomalien, die eine entsprechende Beratung erfordern und häufig einen Abbruch der Schwangerschaft zur Folge haben. Gering ausgeprägte isolierte Zwerchfellhernien sind gut operativ nach der Geburt zu behandeln. Große Zwerchfelldefekte haben in ca. 60 % einen für das Neugeborene tödlichen Ausgang, da sich evtl. Darm, Magen und Leber im Brustkorb befinden und die Entwicklung der Lunge hemmen.

In USA und Neufundland versuchen einige Arbeitsgruppen mit nur mäßigem diese Feten intrauterin mit einer offenen Bauchchirurgie zu behandeln. Zur Zeit ist diese Therapie noch als ,,experimentelle Medizin" zu definieren. Neue Ansätze auf diesem Gebiet sind durch minimalinvasive Techniken und Laserchirurgie, wie sie durch die Bauchspiegelung bekannt sind, in der Entwicklung.

Ist die intrauterine Diagnose bereits durch Ultraschalldiagnostik bekannt, werden die Chancen dieser Neugeborenen, durch eine geplante Entbindung in einem Zentrum mit Kinderchirurgie deutlich gebessert.

Intestinalverschlüsse, Kloakenfehlbildung

Es handelt sich um Verschlüsse des Magen-Darmtraktes und Fehlbildungen des Genitalsystems einschließlich Darmausgang, Blase, Scheide. Sind Begleitfehlbildungen ausgeschlossen, sind diese Erkrankungen einer postoperativen chirurgischen Therapie zugänglich. Die Entbindung ist in einem Zentrum mit Kinderchirurgie zu planen.

Megaureter, Hydronephrose, Zystenniere, Megazystitis

Nierenerkrankungen sind nicht selten und gehen von harmlosen einfachen Stauungen der Nierenbecken bis zu schwersten Veränderungen bei Zystennieren einher, die nur ein kurzes Überleben der Neugeborenen zulassen.

Stauungen der Nierenbecken können Hinweis auf Chromosomenanomalien sein, sind aber auch bei sonst gesunden Ungeborenen zu finden. Einfache Stauungen werden durch Ultraschall nach der Geburt über einen längeren Zeitraum kontrolliert. In wenigen Fällen kann sich eine richtige Stauungsniere oder ein behandlungspflichtiger Reflex entwickeln. Unbehandelt kann die betroffene Niere nach einigen Jahren schwer geschädigt sein. Rechtzeitig erkannt, lassen sich heute gute Therapien anbieten, die eine spätere Nierenschädigung unwahrscheinlich machen.

Eine pränatal durch Ultraschall gestellte Diagnose kann für die Gesundheit des heranwachsenden Kindes in diesem Falle von entscheidender Bedeutung, da diese Erkrankungen sich nur langsam verschlechtern und lange Zeit weder Eltern noch Kinderarzt auffallen können.

Sind intrauterin beide Nieren und/oder Blase so gestaut, daß bereits in der Schwangerschaft mit schweren Nierenfunktionsstörungen gerechnet werden muss, kann durch intrauterine Kathetereinlage der fetale Urin ins Fruchtwasser abgeleitet werden. Einer Arbeitsgruppe in den USA ist es bereits gelungen, einen Laserfaden durch eine Nadel mit einer kleinen Optik bis in die Harnröhre zu schieben und unter Sicht eine verschlossene Harnröhrenklappe eines ungeborenen Jungen zu durchtrennen.

Diese Techniken sind minimalinvasiv, z.Zt. noch im Experimentierstadium, konnten langfristig aber immer mehr Bedeutung erlangen. Ein ,,Harnröhrenklappenverschluss" kann bei männlichen Feten zu einem extremen Aufstau der Blase, Harnleiter und der Nieren führen. In schweren Fällen kann ein intrauteriner Fruchttod eintreten, oder dauerhafte Funktionsstörungen der Nieren und Blase zurückbleiben.

Ovarialzysten, Ascites

Einfache Zysten der Eierstöcke bei weiblichen Feten müssen in der Regel nicht intrauterin behandelt werden und führen nach Geburt zu weiterer Beobachtung. Größere Zysten, die manchmal eingeblutet sind, führen in seltenen Fällen zu einer Abschnürung der Blutversorgung. Daher ist eine sorgfältige Beobachtung des Zustandes der Neugeborenen nach der Geburt sehr wichtig, um rechtzeitig chirurgisch intervenieren zu können.

Hydrops fetalis - generalisierte Odematisierung/Wassereinlagerung

Eine allgemeine Wassereinlagerung im gesamten Körper und den Hohlräumen eines Feten spricht für eine schwere Entwicklungsstörung, deren rechtzeitige Erkennung in vielen Fällen bei entsprechender Therapiemöglichkeit zu einem Überleben des Ungeborenen verhilft. Rhesus-Unverträglichkeit oder Infektion der Schwangeren durch Ringelröteln führen in schweren Fällen zu einer extremen Blutarmut des Feten, die durch den Hydrops spätestens im Ultraschall auffällt und als Therapie die intrauterine Transfusion von Erythrozytenkonzentrat erforderlich macht. Diese Kinder haben heute gute Chancen, gesund zu überleben.

Andere Erkrankungen wie schwere Herzrhythmusstörungen mit extrem schneller Herzfrequenz lassen sich durch die intrauterine Zufuhr von Medikamenten in die Nabelvene besser behandeln als durch Gabe der Medikamente über die Mutter. Unbehandelt führen die schweren Fälle meist zum intrauterinen Fruchttod. Nicht alle Rhesus-Unverträglichkeiten, Ringelröteln-lnfektionen oder Herzrhythmusstörungen bedürfen allerdings einer Therapie. Sie sollten dennoch gut überwacht und konsiliarisch durch Spezialisten für pränatale Diagnostik mitbetreut werden, da sich die Befunde rasch verändern können.

Wachstumsdiskrepanz, Retardierung, Terminfehler

Diese fast am bekanntesten und häufig den Schwangeren gegenüber geäußerte Diagnose einer fetalen Wachstumsstörung ist Bestandteil der Basisdiagnostik. Eine Ultraschalluntersuchung in der 10. SSW kann Terminfehler durch eine unbekannte letzte Regel deutlich vermindern, da die Scheitelsteißlänge zu dieser Zeit eine relativ genaue Bestimmung des zu erwartenden Termins ermöglicht. So werden Übertragungen oder vorzeitige Einleitungen bei Kenntnis eines relativ genauen Geburtstermins vermieden. Eine vorzeitige Einleitung wegen unbekanntem Geburtstermin vor dem tatsächlichen Geburtstermin kann bei unreifem Muttermundsbefund und langwierigem Verlauf zu Infektion und/oder einer operativen Geburtsbeendigung fuhren.

Plazentainsuffizienz

Diese sehr häufige Leistungsstörung der Plazenta ist zum Teil isoliert zu finden oder im Zusammenhang mit anderen Grunderkrankungen der Schwangeren, z.B. Präeklampsie oder HELLP-Syndrom. Auch Autoimmunerkrankungen führen zu Plazentainsuffizienz. Durch spezielle Ultraschalluntersuchungen, dem Doppler und Farbdoppler, wo Strömungen der mütterlichen und fetalen Gefäße mit den heutigen Geräten gemessen und quantitativ verglichen werden, lassen sich Rückschlüsse auf die uteroplazentare und fetoplazentare Hämodynamik ziehen und damit eine Gefährdung durch eine chronische Plazentainsuffizienz rechtzeitig erkennen.

Bereits ab der 20. SSW lassen sich durch die Dopplergefäßmessung der mütterlichen Arterien der Gebärmutter Rückschlüsse auf eine spätere Gefährdung durch eine Präeklampsie ziehen. Mit einer Sensitivität von ca. 80 % können Hochrisikoschwangere mit späterer Präeklampsie erkannt und eine ,,Low-Dose-Therapie" mit 100 mg Aspirin pro Tag angeboten werden.

Werden diese Schwangeren häufiger mit Dopplerultraschalluntersuchungen überwacht und rechtzeitig bei Verschlechterung des Zustandes des Feten und der Mutter in eine Klinik eingewiesen, können die gefürchteten Komplikationen einer Eklampsie minimiert werden. Diese Schwangeren würden zwar später auch durch die typischen klinischen Zeichen einer Präeklampsie bei den Vorsorgeuntersuchungen auffallen, eine präventive Therapie mit 100 mg Aspirin wäre jedoch nicht mehr sinnvoll einsetzbar. Sind die Plazenta- und Wachstumsstörungen bereits vorhanden, können nur noch die Sekundärfolgen beeinflusst werden. Wird überhaupt nicht erkannt, versterben viele Feten intrauterin oder werden als Frühgeborene durch eine notfallmäßige Schnittentbindung gerettet.

Familiär bedingte Konstitution

Schwangere mit familiär bedingtem zarten und kleinen Körperbau fallen meist im Ultraschall durch Minderwuchs des Feten auf. Fast immer stellt sich sonst ein Normalbefund dar und es ist anzunehmen, dass hierbei die familiäre Konstitution eine Rolle spielt. Allerdings treffen hier ebenso die vorher beschriebenen Kriterien zu und nach Feststellung anderer Ursachen kann entsprechend weiter verfahren werden.

Makrosomie

Auch bei im Ultraschall zu groß gemessenen Werten der Biometrie kann ein Terminfehler vorliegen. Bei Schwangeren mit Diabetes finden sich häufig eine zu große Fruchtwassermenge und ein zu groß gewachsener Fetus mit dickem Unterhautfettgewebe. Die Diagnose eines Diabetes sollte durch weitere Untersuchungen umgehend geklärt werden. Gegebenenfalls muss eine Diät eingehalten oder sogar eine Insulinbehandlung durchgeführt werden. Eine positive Wachstumsdiskrepanz ist auch bei Hydrops fetalis zu bemerken (siehe oben). Große Eltern - große Kinder. Ebenso wie bei kleinen Eltern, fallen diese Ungeborenen im Ultraschall auf. Meist lässt sich leicht ein Zusammenhang erkennen, da diese Kinder ein normales Unterhautfettgewebe haben.

Plazentabeurteilung

Bei Plazentastörungen wie größere Zysten, Tumore oder ein atypisches Muster werden die Schwangeren zu einer speziellen Ultraschalldiagnostik überwiesen. Bei Blasenmole oder Chorionkarzinom müssen sie umgehend einer Therapie zugeführt werden. Bei der Triploidie einer Chromosomenanomalie, die mit einem auffälligen Plazentamuster einhergeht, versterben die Feten meist intrauterin und zeigen schwere asymmetrische Wachstumsstörungen. Sekundär können die Schwangeren häufiger eine Präeklampsie entwickeln und sind dadurch selbst gefährdet. Eine invasive Diagnostik wie Amniozentese oder schnelle Chorionzottenbiopsie, bzw. Fetalblutentnahme sichert die Diagnose und bildet die Grundlage für weitere Entscheidungen.

Plazentalösung oder Plazentarandblutung

Bei Blutungen lassen sich häufig kleinere oder größere Einblutungszonen zwischen Plazenta und Gebärmutter im Ultraschall nachweisen, die das Risiko einer Plazentalösung erhöhen. Je nach Größe richtet sich die nachfolgende Überwachung und Therapie, die meist im Rahmen eines Klinikaufenthaltes durch mehr oder weniger strenge Bettruhe und gegebenenfalls mit wehenhemmenden Medikamenten durchgeführt wird.

 

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