MENSCHEN-KINDER

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MENSCHEN-KINDER

Plädoyer für eine artgerechte Erziehung

Herbert Renz-Polster, Kösel Verlag München

2011, 192 S., geb., ISBN 9783466309306,

ca. € 19,00

Erziehungsratgeber gibt es wie Sand am Meer und „jede Theorie findet eine gläubige Anhängerschaft“, so Renz-Polster, Bestsellerautor, Kinderarzt und vierfacher Vater. In seinem Buch Menschen- Kinder kritisiert er auf erfrischende Art die vielseitigen und sich widersprechenden Tipps und Anregungen, wie ein Kind wohl am besten zu erziehen sei. Er vertritt die Meinung, dass wir erst die „jahrtausendealte Geschichte unserer Kinder“ kennen lernen müssen, wenn wir sie wirklich fördern und ihnen beim Erwachsenwerden helfen wollen. Man mag sich fragen, ob mit diesem Buch jetzt noch ein „Erfolgsrezept“ auf den Markt kommt. Doch dieses Buch liefert lediglich eine neue Perspektive und ist als Weckruf gedacht, nicht weiterhin „schicke Theorien“ an unseren Kindern auszuprobieren, sondern uns zu den Wurzeln der kindlichen Entwicklung zurück zu begeben. Renz-Polster räumt mit den Ängsten auf, die Eltern oftmals plagen, wenn es um ihre Sprösslinge geht, wie z.B. die Angst vor dem Verwöhnen, davor, einen „Tyrannen“ heranzuziehen, davor, nicht perfekt zu sein oder sie zu wenig zu fördern, und deklariert diese Befürchtungen schlicht als „unsere eigenen Erfindungen“. Eine große Bedeutung in der kindlichen Entwicklung schreibt er der körperlichen Nähe zwischen Eltern und Kind zu. Aber auch die Nähe zu anderen Menschen, vor allem verschiedener Altersgruppen, trägt einen wichtigen Teil zur „artgerechten Erziehung“ bei. Gerade diese zwischenmenschlichen Erfahrungen sind es, welche die Jüngsten dabei unterstützen, selbstständig und selbstbewusst zu werden. Außerdem behandelt er Themen wie Freiheit und Grenzen, welche Schule ist die richtige, er bringt die Lügen über das Elternsein ans Licht und geht auf das Rätsel der Geburt ein. Der Autor erkennt, dass die ureigenen Bedürfnisse der Kinder wieder mehr ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit rücken müssen, werden sie weiter ignoriert, tragen die Folgen das Kind, die Eltern und schließlich die Gesellschaft.

Margareth Kirchgasser