FRANZISKA, DIE TRISOMIE UND DAS STILLE ENDE Tagebuch einer Schwangerschaft

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FRANZISKA, DIE TRISOMIE
UND DAS STILLE ENDE

Tagebuch einer Schwangerschaft

Renate Ebert, Mabuse-Verlag Frankfurt am

Main 2012, 126 S., TB,

ISBN 9783863210359, ca. € 17,50

Renate Ebert ist zum zweiten Mal schwanger. In der 18. SSW werden bei einer Routineuntersuchung bei der Gynäkologin im Ultraschall zum ersten Mal Organveränderungen beim Baby festgestellt. Weitere Untersuchungen bei Spezialisten an der Uniklinik lassen den Verdacht auf Trisomie 18 aufkommen, eine Amniozentese und Chorionzottenbiopsie bestätigen die Verdachtsdiagnose. Frau Ebert und ihr Mann entscheiden sich gegen einen Schwangerschaftsabbruch. Die organischen Veränderungen von Franziska, so der Name des Kindes, nehmen zu, und schließlich verstirbt sie in der 26. SSW. Die Geburt wird eingeleitet, Frau Ebert wird dabei einfühlsam begleitet und kann mit ihrer Familie – Mann und Tochter Sophia – in Ruhe Abschied nehmen. Etwa zwei Wochen danach ist die Beerdigung. Während all dieser Ereignisse steht Frau Ebert in intensivem E-Mail-Kontakt mit einer Freundin, der sie oft mehrmals täglich schreibt. Im Buch sind alle diese Mails abgedruckt, die Frau Ebert in diesen Wochen und Monaten verfasst hat. Darin schildert sie unmittelbar und direkt all ihre Gefühle, Ängste, Hoffnungen, die große Dankbarkeit für ihre gesunde große Tochter, das bange Warten auf die Diagnose, wie ihre Tochter und die Menschen in ihrem Umfeld auf die Situation reagieren, das Durchringen zu Entscheidungen und Gespräche mit ihrem Mann. 10 Jahre nach der Geburt wurde die Idee, aus dem E-Mail-„Tagebuch“ ein Buch zu machen, umgesetzt. Durch diese Form des E-Mail-Kontakts erfahren die Leser unmittelbarer als durch jede andere Erzählform aktuell und direkt alle Gedanken und Gefühle, wodurch das Buch besonders berührend wird. Ich finde es wunderschön, dass Frau Ebert den Mut und das Vertrauen fand, ihrem Kind die Zeit zu geben, die es zu leben hatte, und dass sie doch über weite Strecken eine einfühlsame Betreuung erfahren konnte.

Karin Müller